Illusionen

von Iwan Wyrypajev|Uraufführung (Auftragswerk)
Regie
29. 9. 2011
Schauspiel Chemnitz
Auftragswerk der Theater Chemnitz, Übersetzung Stefan Schmidtke

Die Geschichte über wahre Liebe und realen Tod ist von Wyrypajev nicht nur inhaltlich lustig und traurig erzählt, sondern auch in eine formal spannende Form gebracht. Figuren, Schauspieler und Erzähler stehen einerseits in distanzloser Nähe zum Erzählten und andererseits werfen sie einen unbeteiligten Blick auf die Versuche der Figuren ihre Liebe zu fassen. Dieser Herausforderung des Textes stellen sich Susanne Stein, Laina Schwarz, Michael Pempelforth und Hartmut Neuber.

Die Geschichte von Danny und Sandra, einem Ehepaar, 52 Jahre verheiratet. Und die Geschichte von Margret und Albert, einem Ehepaar, 54 Jahre verheiratet. Es ist die Geschichte zweier befreundeter Pärchen, die ein Leben miteinander verbrachten.
Und es ist die Geschichte einer großen Illusion, die sich Liebe nennt. Danny liebt seine Frau Sandra. Kurz vor seinem Tod ist er sich dessen gewiss, auch wenn er ab und zu scharf auf Margret war. Doch Sandra liebt schon immer Albert, auch wenn weder Albert noch Danny etwas davon ahnten – bis sie es Albert kurz vor ihrem Tod gestand. Albert dachte, seine Frau Margret zu lieben. Doch nach Sandras Geständnis weiß er, dass die Liebe zu Sandra schon immer in ihm schlummerte. Und da wahre Liebe auf Gegenseitigkeit beruhen muss, liebt Albert jetzt Sandra. Zumindest glaubt er das. Und wer oder wen liebt Margret? Eigentlich liebt Margret Albert. Doch Margret eröffnet Albert, dass sie ein Verhältnis mit Danny hatte. Zumindest sagt sie das. Ein Scherz, denn sie ist eine Frau mit glänzendem Humor. Doch wo bleiben die Gewissheiten der gemeinsam verbrachten Zeit? Im Spiel der Illusionen verliert sich die Grenze zwischen Lüge und Wahrheit. Es verführt zu romantischen Liebeserklärungen, und es enttarnt trügerische Liebesverklärungen. Lustvoll changierend zwischen Trugbildern und Realitäten entblättern vier Erzähler das Leben von Danny, Sandra, Albert und Margret. Rast- und ruhelos stürzen sie die Figuren von einer unvorhergesehenen Situation in die nächste. Sie schlagen Haken, schenken keine Atempause, kein Innehalten, keine Gewissheit, und setzen ein überraschendes Ende an die Geschichte einer großen Illusion, die sich Liebe nennt.

Der Regisseur Dieter Boyer, Spezialist für Texte, die den Rahmen der klassischen Theateraufführung verlassen, wird mit „Illusionen“ eine neue Spielstätte im Schauspielhaus eröffnen, die das Profil aktueller Dramatik und zeitgenössischer Regiehandschriften fortführt: den Ostflügel. Dafür arbeitet er erneut mit dem Ausstatter Ralph Zeger und dem Musiker Bernhard Fleischmann zusammen.

Der Autor Iwan Wyrypajew, Jahrgang 1974, ist einer der wichtigsten russischen Dramatiker seiner Generation. Er stammt aus Sibirien, hat in Irkutsk und Moskau Regie studiert und ist vor allem durch seine Stücke „Sauerstoff“ und „Juli“ auch international bekannt geworden. Für seine Theaterstücke ist er mehrfach ausgezeichnet worden, u. a. 2009 mit dem Bansemer & Nyssen Dramatiker Preis. Iwan Wyrypajew lebt in Moskau.

VIDEO: http://www.youtube.com/watch?v=nBQHaCMrlA0

 

Erste Frau       Susanne Stein
Zweite Frau     Laina Schwarz
Erster Mann    Michael Pempelforth
Zweiter Mann  Hartmut Neuber

Regie              Dieter Boyer
Ausstattung     Ralph Zeger
Musik              Bernhard Fleischmann
Dramaturgie    Esther Holland-Merten

Laina Schwarz, Susanne Stein, Michael PempelfortLaina Schwarz, Michael PempelfortHartmuth NeuberSusanne SteinModell Ralph Zeger
©2017 Dieter Boyer